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Freunde im Unglück

Die wahrscheinlich erste handbetriebene Ente der Welt fährt im Weinviertel, und mit ihr hat Wolfgang Kaspar eines seiner Hobbys zurück.

Gruppenbild mit Helfern, und Wolfgang hat schon zur Ausfahrt Platz genommen.

Es waren praktisch nur ein morsches Brett, ein falscher Tritt und ein blöder Zufall, aber die Folgen waren dramatisch: Als Wolfgang im Herbst 2007 vom Dachboden seines Weinviertler Presshauses in die Tiefe fiel, landete er so unglücklich, dass er seither zur Fortbewegung auf einen Rollstuhl angewiesen ist, mit allen Konsequenzen. Was sich hier in einen schlanken Satz gießen lässt, bedeutete die komplette Neuordnung des Lebens, nicht nur in Alltag und Beruf: Als begeisterter Läufer blieb Wolfgang seinem Club als Funktionär treu, Bewegung findet er heute mit einem mit den Armen betriebenen Fahrrad. Als Alltagsauto fand er schnell zu einem Citroën C4 Automatik, Gas und Bremse auf Handbetrieb umzustellen, war dann ein Fall für Spezialisten, die so etwas öfter machen.

So weit, so teilweise gut. Denn Wolfgangs Lieblingsauto ist der 2CV, so lange er sich an Autos zurück erinnert: "Ich war 1977 erstmals in Frankreich, und auf jedem Urlaubsfoto waren mindestens zwei 2CVs, und die Bescheidenheit des Autos hat mich begeistert." Also kaufte er sich nach der Matura den ersten 2CV, einige weitere folgten, viele Treffenbesuche ("Zum Beispiel das Hollarei 1988 am Traunsee, da gab's unter drei Tagen fünf Regentage.") und weite Reisen sowieso: "Ich hab im 2CV 47 Länder bereist, von Island bis Marakkesch, bin Eselswege in Marokko gefahren, habe Grenzen ohne Grenzwege passiert, und bei Pannen war zum Glück immer wer dabei, der sie vor Ort beheben konnte."

Wolfgang, wieder zurück im eigenen 2CV, übrigens knapp vor seinem 50. Geburtstag. In seinen Dankesworten kamen besonders viele Erinnerungen an alte Reisen auf, aber das wird wieder eine andere Geschichte, demnächst in diesem Heft.

Zum Beispiel die defekte Benzinleitung am Champs Elysee in Paris, als gerade 50 Jahre 2CV mit einem wunderschönen Straßenbild gefeiert wurden. Nicht so leicht wäre unterwegs eine Reparatur des gestauchten Rahmens möglich gewesen, wie ihn die Fahrt durch Island mit sich brachte, "aber die Lenkung ist ohnedies erst einen Tag nach der Rückkehr nach Österreich gebrochen.", zum Glück in einer Situation, die den Bruch glimpflich ablaufen ließ. Abenteuerlicher waren hingegen beispielsweise Begegnungen mit russischen Zöllnern, die auch einmal 2CV fahren wollten, oder mit ukrainischen Polizisten, die partout ein paar Dollar Strafgeld kassieren wollten, obwohl Wolfgang nichts angestellt hatte, nicht einmal eine zierliche Geschwindigkeitsübertretung. Man einigte sich dann auf zu viele Länderkennzeichen am Kofferraumdeckel als Delikt, die zu zahlenden Dollar waren für österreichische Verhältnisse ohnedies moderat bemessen.

Kurz: Schlagartig auch auf den 2CV zu verzichten, war für Wolfgang unvorstellbar - also musste sich seine Ente eben der neuen Situation anpassen, was sie aber noch nicht im Mindesten ahnen konnte.

Zart angedacht und heftig angeregt wurde der Bau einer handbedienten Ente von unserem Ehrenpräsidenten Gü, und plötzlich war die Idee flügge, landete im Weinviertler Citroën Club, wo auch Wolfgang Mitglied ist. Clubchef Peter spielte die Anregung weiter zu seinen Mitgliedern, alle gemeinsam wurden aktiv, und die Voraussetzungen waren perfekt: Michi, eifriger Schreiber technischer und anderer Geschichten, begnadeter Tüftler und Bastler, der schon für das unser 2CV-Welttreffen 2001 einen 2CV auf Fernbedienung umgebaut hatte (ja, einen echten, wir haben uns damals alle gerne die Gesichter der Teilnehmer am Bewerb "Ferngesteuerte Ente" angeschaut, als das ausgewachsene Auto vor ihnen stand) und Hannes, ebenso souverän im Umgang mit technischen Problemen, dachten besonders viel nach, bastelten, tüftelten und probierten gemeinsam mit vielen Clubmitgliedern, und nach rund 140 Stunden in der Werkstatt und viel mehr Stunden gedanklichen Vorausbastelns war die handbediente Ente fertig. Und der Beweis erbracht, dass derlei auch bei einem Oldtimer ohne Automatik tadellos funktioniert, wenn man ein wenig quer denkt und auch gute, offene Spezialisten wie die Firma Opel Pruckner findet, die wunderbar und gerne über ihre bisherigen Aufträge hinausdachte. Was technisch genau nötig war, steht in Michis Bericht auf den nächsten Seiten.

Ein Armaturenbrett, fast wie jedes andere. Der Hebel in der Mitte dient zum Gasgeben und Bremsen, geschaltet wird wie üblich, die Kupplung löst dabei ohne Treten des Kupplungspedals aus. Ein Detail von vielen: Weil die Türen des 2CV nicht alleine offen bleiben, musste eine raffiniert ausgetüftelte Idee aushelfen. Jetzt ist der Zutritt problemlos, wenn Wolfgang mit Hilfe eines Brettes den Fahrersitz gewinnt.

Im Zuge des 2CV-Treffens in Michis Obstgarten in Dürnleis August 2010 wurde die handbediente Ente dann übergeben, Pressefotografen und Reporter waren nicht zu knapp dafür angereist, Wolfgang fuhr dann die erste Runde in seinem perfekt adaptierten 2CV, und alle waren ziemlich gerührt.

Das nächste Welttreffen findet nächsten Sommer im französischen Orleans statt. Da wird Wolfgang mit mehr als zwei 2CVs pro Urlaubsfoto heimkommen, und einer davon wird seiner sein.

Martin

Fotos: Sloten


Charly Polzer hat mit dem Handy die Rede von Wolfgang Kaspar aufgenommen, leider in schlechter Tonqualität, aber immerhin!


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  Top   |   «  ^  »   |   Print Version   |   URL: http://www.oecc.org/Narizin/Berichte/Freunde-im-Unglueck.php   |   Stand: 01.01.1970   |   © Hannes Hromadka   
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